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Verfasst von Nicole Renggli, Inhaberin younique hr consulting  | Nicole Renggli | LinkedIn​​

Manchmal kommen Menschen in unser Leben oder in unser Team, und wir spüren sofort, dass die Zusammenarbeit herausfordernd wird. Unterschiedliche Werte, verschiedene Kommunikationsstile, gegensätzliche Erwartungen. In HR nennen wir es eine „konfliktbeladene Situation“. Im echten Leben nennen wir es: anstrengend.

Vor kurzem durfte ich eine Mediation begleiten, die genau das widerspiegelte. Zwei Kolleginnen sassen sich gegenüber, beide engagiert, beide überzeugt, dass ihre Sichtweise die richtige sei. Die Luft war schwer von unausgesprochenen Worten. Jeder Blick, jede Pause schien eine unsichtbare Grenze zu markieren.

Die eine Person, nennen wir sie Anna, war bedacht, reflektiert und verbindend. Michaela, die andere Seite, wirkte direkt, manchmal scharf und sehr sachlich. Ihre Art, Konflikten zu begegnen, spiegelte ihre eigenen Werte wider: direkt, kompromisslos, mit wenig Raum für Emotionen.

Stunde um Stunde verging. Brücken wurden gebaut, Argumente ausgetauscht, Perspektiven erläutert. Doch je mehr Anna sich bemühte, desto deutlicher wurde: Es gibt Dinge, die sich nicht verändern lassen. Die Art, wie Michaela reagiert und kommuniziert, entsprach schlicht nicht Annas eigenen Vorstellungen von Respekt.

Am Ende der Sitzung lehnte sich Anna zurück, atmete tief durch und sagte:

„Ich weiss, dass ich mit der Art und Weise, wie Michaela reagiert und spricht, nie wirklich umgehen kann. Es entspricht nicht meinen eigenen Werten von Respekt. Ich akzeptiere aber, dass es so ist.“ Diese Worte hatten etwas Befreiendes. Nicht, weil der Konflikt gelöst war, sondern weil eine andere Form von Klarheit entstanden war: Akzeptanz.

Wenn wir versuchen, etwas Unveränderbares zu verändern, verschwenden wir Energie. Akzeptanz erlaubt es, die eigene Kraft auf Bereiche zu lenken, die tatsächlich beeinflussbar sind auf Zusammenarbeit, auf Prozesse, auf den eigenen Umgang mit Stress. Akzeptanz bedeutet nicht, alles gutzuheissen. Sie bedeutet, die Existenz anderer Perspektiven anzuerkennen und den Wert von Diversität zu sehen. Unterschiedliche Meinungen sind nicht automatisch falsch. Sie sind einfach anders.

Wer Akzeptanz übt, nimmt sich selbst die Last, alles kontrollieren oder lösen zu müssen. Diese innere Ruhe wirkt wie ein Schutzschild gegen Frust, gegen Erschöpfung und gegen das Gefühl einer ständigen Pflicht zur Einigung. Die grösste Stärke liegt nicht immer darin, eine Einigung zu erzwingen. Manchmal zeigt sich wahre Kompetenz darin, Grenzen zu erkennen, Realität anzunehmen und die eigene Haltung zu wahren.

Akzeptanz lässt Konflikte nicht verschwinden. Aber sie verändert die Art, wie wir mit ihnen umgehen. Sie schafft Raum für Klarheit, Verständnis und Respekt nicht nur gegenüber anderen, sondern auch gegenüber uns selbst.

Anna und Michaela haben am Ende vielleicht keinen gemeinsamen Nenner gefunden. Doch sie haben einen Weg entdeckt, ihre Professionalität aufrechtzuerhalten, ohne dass persönliche Werte verletzt werden.

 

Gerade in HR und in der Arbeit mit Teams ist diese Haltung unbezahlbar. Sie zeigt, dass Konfliktmanagement nicht immer mit einer Lösung endet. Oft besteht die eigentliche Aufgabe darin, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich respektiert fühlen auch wenn sie nicht übereinstimmen.

 

Manchmal besteht die Lösung eines Konflikts also nicht darin, ihn zu beseitigen, sondern darin, zu akzeptieren, dass er existiert. Und genau darin liegt die Stärke.

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